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Mehr Fragen für bessere Gespräche in der Familie

Stell mehr Fragen in der Familie

Herausforderung für den nächsten Familienabend: Stell mehr Fragen!

Zuallererst, was soll das sein: Ein gutes Gespräch? Knigge sagte bereits 1788 in seinem Buch “Über den Umgang mit Menschen”: “„Laß auch andre zu Worte kommen, ihren Teil mit hergeben, zur allgemeinen Unterhaltung! “. Andere Teilhaben zu lassen für ein besseres Gespräch ist daher keine neue Idee. Allerdings gelingt nicht jedes Gespräch, insbesondere mit den Allerliebsten. Die Wissenschaft sagt, ein einfacher Schritt beginnt mit Fragen. Um genau zu sein, es beginnt damit, mehr davon zustellen.

Ich klammere bewusst Methoden aus, bei denen eine Partei überzeugen oder verkaufen will. Ein besseres Gespräch zwischen Freunden und Familienmitgliedern ist aus meiner Sicht immer auf Augenhöhe. Dabei verfolgt jeder Mensch im Gespräch gewöhnlich zwei Ziele; etwas zu lernen und/oder Bindungen aufzubauen. Es geht um engere Beziehungen und darum mehr übereinander zu erfahren.

Fragen können der Schlüssel für die schönsten Familiengespräche sein

Klar, Fragen sind Teil eines jeden Gesprächs. Trotzdem habe ich nicht bei jeder Unterhaltung das Gefühl meinen Gegenüber zu erreichen oder wirklich etwas gesagt zu haben, was mich bewegt. Ich habe mich also gefragt, wie geht das eigentlich – wie stelle ich gute Fragen?

4 Fragetypen

Fragen gibt es in vielfacher Ausführung, ganz grundsätzlich lassen sie sich in vier Typen einordnen:

  • Einleitungsfragen – Wie geht es dir?
  • Spiegelfragen – Gut und selbst?
  • Full Switch-Fragen – Solche, die ein Thema einleiten
  • Folge-Fragen – Mehr Informationen abfragen zu einem bestehenden Thema

Mehr Fragen für mehr Sympathien

Oft vertiefen Studien zwar, wie sich unterschiedliche Fragestile auswirken bzw. wie Menschen im Austuáusch miteinander interagieren. Die reine Wirkung von Fragen auf das Gespräch ist dabei wenig untersucht. In einer Studie von Huang et al. von 2017 steht genau diese Frage im Mittelpunkt.

Inwiefern wirken sich Fragen überhaupt auf ein Gespräch aus? 

Die Probanden wurden gebeten, entweder besonders viele oder besonders wenige Fragen innerhalb weniger Minuten Gespräch zu stellen. Anschließend wurde ermittelt, wie die Gesprächspartner das Gespräch erlebt haben.

Wenn beide wenige Fragen stellten, hatten auch beide wenig Freude am Gespräch und damit aneinander. Die Gesprächspartner berichteten, es fühlte sich an, wie ein Gespräch von kleinen Kindern, die nur parallel zueinander sprachen. Aber eben nicht miteinander.

Interessanter wurden die Ergebnisse, als wenigstens einer der Teilnehmenden angehalten war, viele Fragen zu stellen. Sobald eine Partei viele Fragen stellte, wurde das Gespräch positiver eingeordnet. Die jeweiligen Vielfragenden wurden vom Gegenüber als ansprechbarer und sympathischer wahrgenommen. Auch wenn die Geschichten des Gegenüber als besonders anregend wahrgenommen wurden, der oder diejenigen Fragenstellenden mit vielen Fragen wurden durchweg am positivsten eingeschätzt. 

Die Viel-Fragenstellenden wurden von den Befragten positiv wahrgenommen, weil sie die vielen Fragen werteten als

  • gutes zuhören
  • verstehen
  • wertschätzen
  • Zuwendung zum Gegenüber.

Erstaunlich ist dabei, dass das unabhängig von den Fragetypen geschah. Der einfache Schritt mehr Fragen zu stellen, hat dazu geführt, dass alle Antwortenden mehr Freude an ihren Gesprächspartnern hatten.

Vorangegangene Studien von Jourard (1959) gehen davon aus, dass wenn Menschen die Möglichkeit haben von sich selbst zu erzählen, dass sie dieses positive Gefühl des Selbstoffenbarens auf die Fragenden übertragen, die ihnen dafür die Gelegenheit gegeben haben.

In den Studienanordnungen war es allen Teilnehmenden selbst überlassen, welche Art Fragen sie stellten, solange sie der Anweisung nach mehr oder weniger Fragen nachkamen.

Trotzdem gilt: Nicht alle Fragen sind gleich.

Folge-Fragen öffnen ein Gespräch

In dieser offenen Anordnung hat sich gezeigt, dass die Probanden intuitiv auf Folge-Fragen zurückgriffen, um die Fragemenge während des Gesprächs zu erhöhen. Es ermöglichte den Antwortenden, tiefer ins Detail zu gehen und über Floskeln hinaus in eine ihrer Geschichten einzutauchen.

Die Antwortenden fühlten sich gehört und respektiert. 

Aber nicht zu viele Fragen

Vorsicht vor zu vielen Fragen: Auch wenn viele Fragen zu stellen, beim Antwortenden einen besonders positiven Eindruck hinterlässt. Genauso können zu viele Fragen wirken, als würde man ausgefragt werden. Oft hilft es stattdessen, zuzuhören und eine Pause im Gespräch zu erlauben.

Offene Fragen sind besser als Geschlossene

Die eigentlichen thematischen Fragen und Folge-Fragen sollten bei einem Gespräch, das ohne Druck stattfindet, mit offenen Fragen geführt werden. Offene Fragen erlauben es den Antwortenden, Themen und Details zu teilen, mit denen sie sich wohl fühlen und die für sie eine Rolle gespielt haben. Geschlossene Fragen hingegen erzeugen das Gefühl, manipuliert zu werden oder befangen zu sein.

Das liegt oft daran, dass eine geschlossene Frage ein Ja oder Nein verlangt. Zusätzlich wird häufig im Vorfeld eine Erklärung zur Frage eingebunden. Dieser Kontext setzt einen Rahmen, in dem das Gespräch stattfindet, auch wenn die Antwortenden eigentlich andere Schwerpunkte gesetzt hätten. Hierdurch wird das Gespräch zwar geleitet aber nicht notwendigerweise positiv vertieft.

In Studien z.B. von Schuman/Presser (1979) zeigte sich, dass das Einengen von Antworten mit geschlossenen Fragen oder vorgegebenen Antworten die Realität verzerrt. Auf die Frage nach dem wichtigsten, was Eltern ihren Kindern mitgeben wollen, um sie aufs Leben vorzubereiten, bejahten 60% der Eltern die Aussage, “Das Kind soll lernen, sich seine eigenen Gedanken zu machen”. Allerdings gaben nur 5% der Eltern diese Antwort, wenn sie ihnen die gleiche Frage als offene Frage gestellt wurde.

Sieh selbst: Beispielgespräch mit dem Opa

Geschlossen: Hast du dich gefreut als dein erstes Kind geboren wurde?
Geschlossen mit einschränkendem Rahmen: Es waren ja schwierige Zeiten für euch als Familie. Hast du dich überhaupt gefreut Papa zu werden?

oder

Offen: Wie hast du die Geburt deines ersten Kindes erlebt?

Was sind also gute Fragen für ein gutes Gespräch?

Ein gutes Gespräch besteht aus

  1. vielen Fragen, 
  2. gutem Zuhören und 
  3. anschließenden Folgefragen. 

Fragen sollten dabei offen gestellt sein, um das Gespräch weniger zu lenken und Antworten und Themen nicht einzuschränken. Ziel ist es, vom Gegenüber etwas zu lernen und bessere Bindungen aufzubauen.

Beim nächsten Gespräch in der Familie heißt es also nicht nur:

Geht’s dir gut? – Ja.
Läuft alles gut in eurer neuen Wohnung, etc.? – Ja.
Sondern:
Wie habt ihr euch in der neuen Wohnung eingerichtet? – Ganz gut, es fehlt noch einiges, um sich gut anzufühlen.
Was habt ihr noch vor?

Übrigens:
Die Sympathien, die die Antwortenden für Fragende haben, die sich durch viel nachfragen ergeben, übertragen sich nicht auf Dritte. Wenn Oma und Enkel über Omas Familienerfahrungen plaudern, dann freut sich Oma zwar über den Enkel, allerdings niemand, der nur dabei sitzt.

Das heißt auch, es lohnt sich alle ins Gespräch einzubinden und Fragen auch mal in die Runde zu geben, um mehr als nur eine Perspektive zu bekommen. Und am Ende aus vielen Fragen und Geschichten auch gemeinschaftlich einen für alle schönen Familienabend zu machen.

Ich stelle also eine kleine Herausforderung für dein nächstes Familiengespräche:

Nimm dir vor mehr Fragen zu stellen.
Gib dich nicht mit einer Antwort zufrieden, sondern stelle offene Folge-Fragen.
Hör zu und schau dir an, wie sich das Gespräch entfaltet.

Schon mal ausprobiert? Erzähl mir davon!

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Literatur:

Wood Brooks/John (2018): The Surprising Power of Questions, It goes far beyond exchanging information, Harvard Business Review. Link.

Huang, Karen (2017): It doesn’t hurt to ask: Question-asking increases liking, Scholarship at Harvard, Harvard Library. Link.

Jourard (1959): Self-disclosure and other-cathexis. The Journal of Abnormal and Social Psychology, 59(3), 428-432.

Knigge (1788): Über den Umgang mit Menschen.

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